MICT UA – Aufbau strukturierter internationaler Bildungs- und Rückkehrpfade für ukrainische Talente
MICT UA ist eine unabhängige Initiative von Kalden-Consulting, die darauf abzielt, eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft der Ukraine anzugehen: die nachhaltige Entwicklung, internationale Qualifizierung und potenzielle Rückkehr junger Talente.
Der Name MICT leitet sich vom ukrainischen Wort „міст“ ab, das „Brücke“ bedeutet. Er spiegelt die Kernidee der Initiative wider: Verbindungen zwischen internationalen Bildungsangeboten und langfristigen Perspektiven in der Ukraine zu schaffen.
Herausforderungen
Die Ukraine steht vor einer Reihe miteinander verknüpfter demografischer, gesellschaftlicher und struktureller Herausforderungen, die durch den andauernden russischen Angriffs- und Terrorkrieg erheblich verschärft werden.
Gemeinsam mit ihren Eltern hat eine große Zahl junger Menschen das Land verlassen — viele von ihnen werden jedoch für den langfristigen Wiederaufbau, die wirtschaftliche Entwicklung und die gesellschaftliche Stabilität der Ukraine dringend benötigt. Dies betrifft nicht nur aktuelle Studierende, sondern ganze jüngere Generationen, deren zukünftiger Beitrag entscheidend sein wird, um die erheblichen menschlichen und demografischen Verluste infolge des Krieges auszugleichen.
Gleichzeitig integriert sich eine wachsende Zahl ukrainischer Kinder und junger Menschen tief in ausländische Bildungssysteme und soziale Umfelder. Viele von ihnen haben die Ukraine in sehr jungem Alter verlassen — teilweise noch vor dem Eintritt in das ukrainische Schulsystem — und werden heute vollständig im Ausland ausgebildet und sozialisiert. Die ukrainische Sprache und Identität werden dabei in manchen Fällen nur noch als sekundärer oder fremdsprachlicher Bestandteil aufrechterhalten, während das Bild der Ukraine überwiegend durch vor dem Krieg geprägte familiäre Narrative bestimmt wird.
Dies führt zu einer strukturellen Entkopplung, die weit über die physische Abwesenheit hinausgeht: Zukünftige Generationen laufen Gefahr, nicht nur institutionelle Verbindungen, sondern auch soziale, kulturelle und berufliche Bindungen zur Ukraine zu verlieren. In der Folge entsteht ein langfristiges Risiko des Verlusts von Fachkräften — genau zu dem Zeitpunkt, an dem eine hochqualifizierte und international erfahrene Arbeitskraftbasis für den erfolgreichen Wiederaufbau und eine nachhaltige Entwicklung dringend erforderlich ist.
Konzeptmodell
MICT UA konzentriert sich auf die Entwicklung lokal verankerter Kooperationsmodelle, die eine strukturierte Integration junger Ukrainerinnen und Ukrainer in Bildung, Arbeit und Gesellschaft in der Ukraine ermöglichen. Die Initiative richtet sich an eine spezifische Zielgruppe: junge Menschen, die im Ausland aufgewachsen sind oder dort ausgebildet wurden und denen es möglicherweise an ausreichenden Sprachkenntnissen, institutionellem Verständnis und sozialer Anbindung an die Ukraine fehlt.
1) Lokale Kooperationsstrukturen
Kern des Modells ist der Aufbau von Kooperationen zwischen lokalen Verwaltungseinheiten, Hochschulen und Unternehmen. Diese Akteure schaffen gemeinsam die Voraussetzungen für eine strukturierte Integration auf lokaler Ebene
2) Vergütete Integrationsphase
Für Teilnehmende, die eine sprachliche und soziale Integration benötigen, wird eine strukturierte Integrationsphase von etwa 6–9 Monaten vorgesehen. Diese Phase kombiniert vergütete Praktika in Unternehmen mit begleitendem Ukrainischunterricht. Die Vergütung ist dabei entscheidend, um die finanzielle Tragfähigkeit und Zugänglichkeit für die Teilnehmenden sicherzustellen.
Gleichzeitig ermöglicht diese Phase den Teilnehmenden:
- praktische Arbeitserfahrung in der Ukraine zu sammeln
- ihre Ukrainischkenntnisse im realen Alltag zu verbessern
- ein aktuelles Verständnis von ukrainischer Gesellschaft und Identität zu entwickeln
Dies kann als eine Form nachgeholter oder erneuerter Sozialisation in der Ukraine verstanden werden.
3) Wohnraum und lokale Unterstützung
Eine zentrale Voraussetzung für die Umsetzung ist die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum sowie lokaler organisatorischer Unterstützung. Für viele Teilnehmende kann sich die Rückkehr in ihre Heimat Ukraine ähnlich anfühlen wie ein Auslandsstudium, da lokale Strukturen, Sprache und Alltag (neu) erlernt werden müssen.
Diese Elemente sollen durch die Zusammenarbeit von Kommunen, Institutionen und Unternehmen koordiniert werden.
4) Übergang in Bildung und/oder Beschäftigung
Sobald das erforderliche Sprachniveau und eine grundlegende Integration erreicht sind, können die Teilnehmenden übergehen in:
- ein Studium an ukrainischen Hochschulen bei gleichzeitiger Teilzeitbeschäftigung in Unternehmen
- oder eine direkte Beschäftigung in den beteiligten Unternehmen
Dies schafft einen durchgehenden Pfad von der initialen Integration hin zur langfristigen Teilhabe an Wirtschaft und Gesellschaft der Ukraine.
Rolle der Initiative
MICT UA wird von Kalden-Consulting initiiert und entwickelt. Zu den Schwerpunkten gehören:
- Konzeptentwicklung
- strukturelle Ausgestaltung von Integrationspfaden
- Aufbau von Netzwerken zwischen Institutionen
Eine direkte Vermittlung oder Rekrutierung findet nicht statt, da eine nachhaltige Integration nur durch die Akteure und Institutionen vor Ort gewährleistet werden kann.
Aktueller Stand
Die Initiative befindet sich derzeit in einer konzeptionellen und netzwerkbildenden Phase, und erste Gespräche werden geführt mit:
- Universitäten in der Ukraine
- institutionellen Akteuren
- potenziellen internationalen Partnern
Für weitere Informationen, Austausch oder Zusammenarbeit:
Wolf Hannes Kalden
kalden@kalden-consulting.de